NAK-VELBERT


Direkt zum Seiteninhalt

BrittaBatz

Archiv

Hallo,
ich möchte ein wenig von ehrenamtlicher Arbeit und von Therapeuten auf 4 Pfoten erzählen.
Aus Datenschutzgründen werde ich weder Namen der Altenheime, noch Gesichter der Insassen zeigen. Meine Fotos sind geschnitten, so das man keine Personen erkennt, schade um deren entzücktes Lächeln im Gesicht und die Emotionen, aber so ist es eben besser, wie man mir sagte und es so jetzt auch erlaubt. Es geht mir ja auch mehr darum, einmal zu erzählen, wieviel Freunde man diesen Menschen noch bringen kann. In der Regel bin ich erst mal 1 x die Woche mit den Hunden auf "Therapie-Tour", manchmal auch mehr. Meine Hunde sind es ja schon gewohnt von den vielen Jahren, wo meine Omi und die Oma meines Mannes in den Altenheimen lebten. Da unsre Omis nun beide verstorben sind, fehlte mir irgend etwas. Okay, es gibt auch hier in der Siedlung genug Kinder, die einen umringen und sogar anklingeln und fragen, ob meine Hunde Zeit haben und sie rein kommen dürfen ....aber das ist was anderes, als Bedürftigen noch Freude zu bringen. Zudem vermisse ich immer wieder meinen alten Job als Arzthelferin und die Menschen, die man tagtäglich um sich hatte.

In der Zeitung las ich einen Artikel über ein Seniorenheim, das gezielt ausgerichtet ist auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Bewohner - mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen, verschiedener Demenzformen oder eben körperlichen Einschränkungen. Das Ziel ist natürlich, neben positiven Aspekten zu verstärken, auch noch Freude und Lebensqualität zu vermitteln. Menschliche Zuwendung ist da immer noch am besten - wie eigentlich überall im Leben. Aus diesem Grunde werden immer ehrenamtliche Helfer gesucht, die z.B. die Senioren in der Garten begleiten, die ihnen vorlesen, mit zu Ärzten fahren oder eben auch Hundebesitzer.

Also hab ich mich gemeldet und hatte so eine Art "Vorstellungsgespräch", zu dem ich gleich 2 meiner Hunde mitnahm (Colin und Louna). Im Anschluß an das nette Gespräch bei Kaffee und Kuchen - mit meinem Mann als Dolmetscher-, da ich mich ja selbst auch erst wieder auf die neuen "Münder" einstellen muß zum Lippenablesen, haben wir direkt einen Testlauf mit den Hunden gemacht, sowohl bei Rollstuhlfahrern, wie auch bei Bettlägerigen Insassen. Ja und seit dem gehe ich dort hin, entweder mit 3 oder 4 , beziehungsweise mittlerweile auch mit allen sechs Vierbeinern ;) Die einen möchten lieber den großen, die anderen eher den ganz kleinen und somit sind alle zufrieden.
Die Hunde werden geliebt, sie wirken gut als "Therapiehunde" und die meisten Insassen streiten sich bald um Colin *gg* der muß aber auch alles abknutschen, ist zudem noch der kleinste und leichteste mit kaum 2 kg.

Finn hatte beim ersten Besuch sein Geschirr an wo "Knutschkugel" drauf steht, das fanden alle toll :) Er ist einigen allerdings zu schwer, mit seinen 4,5 kg. Er rutscht er schonmal vom Schoß, da viele nicht mehr so die Kraft in Arme und Beine haben. Hier setze ich gezielt eher Colin und Quincy ein.
Louna steuert sich sehr gut selber aus auf dem Schoß und Finn wird festgehalten oder geht zu noch gut mobilen auf den Schoß oder zu den Bettlägerigen da kann er es sich gemütlich machen ;) Oder eben dort wo er noch allein rauf und runter springen kann :)
Yamira ist noch ein wenig schüchtern, aber auch sie sucht sich schon gezielt (mom nur Frauen) Leute aus, wo sie auch ganz lieb und ruhig sitzt, allerdings nur wen sie mich im Blickfeld hat

Louna säubert immer die Böden, da liegt so viel Essbares *hüstel* Die gesammte Bande wird nun auch noch durchgefüttert und wenn ich so wie gestern sage , "Frühstücken sie erstmal in Ruhe ich komme gleich nochmal wieder zu Ihnen aufs Zimmer", da kriegt der große Gizmo schnell das halbe Käsebrot und sie sagt "fertig" *hihi* Gizmo wird von den Insassen geliebt die früher einmal selbst große Hunde hatten. Ich muss nur bei Rollstuhlfahrern aufpassen , das die Bremsen angezogen sind wenn sie Gizmo streicheln, weil dieser, mein 46 kg Hund die Angewohnheit hat, sich auch mal freudig dagegen zu drücken und sie würden sonst samt Rollstuhl über den Gang sausen, denn das ist mir schonmal mit unsrer Oma passiert *ups* Aber sie lieben es auch, wenn Gizmo vor ihnen sitzt und dann auf "guten Tag" ihnen die Pfote reicht oder sie einfach nur an"lächelt" :)

Die Bettlägerigen Insassen oder die Schwerstpflegefälle spüren aber auch noch die Hunde. (Fotos von den Hunden in den Betten folgen noch) Sonst reagieren sie auf gar nichts mehr, starren nur vor sich hin. Nimmt man aber ihre Hand und legt sie dem Hund auf das Fell oder Colin z.B. knutscht und leckt ihre Hände ab, dann zeigen sie Regungen. Manche werden richtig unruhig oder fangen an zu lächeln, manchen laufen kleine Tränen. Sie alle sprechen nicht mehr, geben aber schonmal Laute von sich oder fangen an dann mich oder einen der Mitarbeiter zu streicheln. Louna schaut dann schonmal mit großen Augen die Leute an, hält aber ganz still. Die Bewegungen sind auch sehr unkontrolliert und teils barsch, aber den Hunden macht das nichts. Ich bin dann wirklich sehr stolz auf meine Bande.

Auf einer Etage sitzen wir auch oft noch zusammen, singen Volkslieder oder es gibt eine Fragestunde, zu der sie mich ausfragen dürfen zu meinen anderen Tieren oder eben den Hunden. Oft wird gefragt wo die kleinen ursprünglich beheimatet sind. Wenn ich dann erzähle, das die Chihuahuas ihren Ursprung in Mexico haben und sie in der Zeitgeschichte bis aus die Aztheken zurück gehen, dann sind sie ganz erstaunt. :-) Oder wir machen kleine Ratespielchen daraus, um so ein wenig "Gehinjogging" zu machen. In der Zeit schlafen die Hunde, meistens fest irgendwo bei einem auf dem Schoß oder unterm Tisch, je nach Lust und Laune. Sie werden erst wieder munter wenn das Mittagessen angeliefert wird und der köstliche Duft durch die Gänge und in ihre feinen Näschen streicht.

Manchmal muss ich sie auch suchen, wenn sie allein auf Wanderschaft sind. Wechsel ich die Etage mit 2 oder 3, bleiben die restlichen auch allein bei den Insassen, alles kein Problem. Der große, der die Treppen in dem runden mit großen Glasscheiben offenen Treppenhaus nicht steigen mag , setze ich allein in den Fahrstuhl, weil ich selbst Angst vor Aufzügen habe. Gizmo fährt nun auch schon allein durch die Etagen. Wenn ich die Knöpfe drücke, lauf ich dann durchs Treppenhaus mit den den kleinen schnell hinterher.


Wenn gegen 11.30 Uhr die ersten Senioren am Tisch Platz nehmen und ihr Essen serviert bekommen, sind natürlich meine kleinen sofort Feuer und Flamme. Und nein wir betteln doch nicht, was können wir denn dafür das die Senioren nicht mehr so viel Platz im Magen haben und ihr Essen brüder,- und schwesterlich mit uns teilen. Da ignorieren wir auch Frauchens Zurückpfeifen denn was ist besser, Schimpfe von Frauchen, oder ein Stück lecker duftendes Fleisch oder Kartoffel und Gemüse? Man muß das dann sorgfältig abwägen und Konsequenzen in Kauf nehmen. Ihr seht hier wofür wir uns entschieden haben ;)

In letzter Zeit war es oft sehr warm und da sind wir am Ende noch in den Garten gegangen mit ein paar Bewohnern und die Hunde durften dort sich im Gras wälzen und bißchen rumtoben oder den Springbrunnen erklettern und sich eine frische Dusche holen. Ich habe Fotos mitgehabt von meinen Kaninchen, dem Zwergbartagamen, ein Buch über Rennmäuse die ich ja auch halte und was über meine Hamster und Fische erzählt. Bin da jetzt sowas wie ein "Tiertherapeut" für die Leute :-)

Es macht sehr viel Freude, ist aber auch mega anstrengend für mich, da ich ja nicht hören kann. Ich muss also mit den Augen abchecken wer noch keinen Hund auf dem Schoß hatte, ob die Hunde nicht runterrutschen, wo Hilfe benötigt wird, was man mir versucht zu erzählen (nicht immer einfach wennz.B. durch einen Schlaganfall die Artikulation zum Teil sehr eingeschränkt ist, oder es durch fehlende Prothesen zu Artikulationsschwierigkeiten kommt ) und gleichzeitig eben auf die Hunde zu achten. Mir brummt und rauscht der Kopf wenn ich mich auf den Rückweg mache nach Hause und ich bin meist "platter" als früher in einem 10 std Tag in der vollbesetzen Praxis. Aber es macht Spaß, denn das Leuchten das man in den Augen sieht, das leichte Lächeln zu dem sich der Mund noch verzieht, die spontanen Bewegungen , ja selbst die Tränen die dort noch leise fließen vor Freude.

.... All das ist jede Mühe wert.


Britta Batz, Gemeinde Wülfrath, im Juli 2008

STARTSEITE | DIE GEMEINDEN | Archiv | Site Map


© Copyright 2008 NAK Bezirk Velbert - aktualisiert am 04 Aug 2009 | redaktion@nakvelbert.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü